Sonntag, 16. Oktober 2011

lauter Recycling


Müllwagen für Altpapier © Harri Brill 2009

Es wird noch dunkel sein, wenn morgen früh dieses Geräusch wieder alles Lebendige zu Eis erstarren lässt: Immer montags verschlingt ein gigantischer Eisenfresser jedes einzelne Auto der Straße. Er pflückt die Karossen mit riesigen Krallen vom Asphalt und zermahlt sie auf der Stelle zwischen gewaltigen Kiefern. Die Autos kreischen in Todesangst, wenn die Zähne des Monsters durch die Blechhülle donnern und stählerne Rippen ächzend und knirschend bersten.

Ob Fegaro, der Kehrwagen, oder Shitty Bang Bang, der Hundekotabsorber - keine Ahnung, warum gerade die Fahrzeuge, die für eine saubere Umgebung im Einsatz sind, so viel Lärm absondern.

Sonntag, 25. September 2011

entwöhnen


Aschenbecher © Harri Brill 2011

Nicht zum ersten Mal steht ein Stapel dieser schlichten Aschenbecher auf dem Fensterbrett des Treppenhauses. Hat einer der Mieter aussortiert und auf der letzten Stufe vor der Mülltonne zum Verschenken angeboten.
Wir anderen Mieter beißen nicht so recht an; die drei Ascher warten seit zwei Tagen unangetastet auf den nächsten Nutzer.

Als Produkte sind Aschenbecher dieser Bauart fast archetypisch. Sie kosten wahrscheinlich im Ein-Euro-Shop nur einen Euro und sind so unauffällig, dass niemand sie als Souvenir von einem Kneipentisch stehlen würde.
Es besteht immerhin die Möglichkeit, dass der ehemalige Besitzer seine Zigarettenasche in erlesenere Gefäße schnippen und die gesichtslosen Objekte daher abstoßen wollte. Meine favorisierte Theorie ist jedoch, dass sich hier jemand das Rauchen abgewöhnt.

Dienstag, 20. September 2011

Sitz-Nomade


Lederprägung auf Sitzfläche © Harri Brill 2011

Mein Ex-Kamelhocker könnte Geschichten erzählen. Nicht nur die in Leder geprägten auf dem Sitzkissen. Denn letzten Sonntag landete er mindestens zum zweiten Mal in seinem Produktsein auf dem Flohmarkt.
Ich transportierte meine Ware in drei Koffern mit einem Handwagen zum Markt. Sind nur etwa 400 Meter bis dahin. Der Hocker balancierte auf den Koffern.
Die nordneuköllner Bohéme schlummerte noch an diesem regenschwangeren Sonntagmorgen, als mich auf dem Gehweg ein Nachfahre der Pharaonen wegen des Hockers ansprach. Es dauerte eine Weile, bis ich verstanden hatte, dass er den Hocker kaufen wollte. Ich war im Halbschlaf kaum 100 Meter gegangen, und wir waren die einzigen Menschen weit und breit.
Ich nannte meinen Preis. Er winkte ab. Aber ich war nun sicher, dass ich das Ding heute gut verkaufen würde.

Sonntag, 11. September 2011

graue Maus


BMW K100 © Harri Brill 2010

Sie turnten bei festlichen Anlässen fahrenderweise zu zwölft in Pyramidenformation an einem einzigen Motorrad, sie regelten den Verkehr, wenn Ampeln ausgefallen waren, sie waren die harten Hunde bei Routinekontrollen an Fahrzeugen, und sie eskortierten Staatsbesuch zum Rathaus Schöneberg: Die "Weißen Mäuse".
So wurden in Berlin einst Beamte der Verkehrspolizei auf Motorrädern genannt. Ab 1873 trug bereits die "Infanterie" der neu gegründeten Verkehrspolizei weiße Uniformteile, wegen der besseren Sichtbarkeit. Mitunter auch weiße Friesennerze in Mantellänge.

Im Zuge allgemeiner Motorisierung nach den Weltkriegen bretterten die Weißen Mäuse traditionell auf BMW-Maschinen durch die Stadt. 2008 wurden nach einem umstrittenen Auschreibungsverfahren erstmals 35 Moto Guzzi statt der Bayrischen Motorräder für die berittenen Ordnungshüter bestellt. Eine besonders heikle Wahl, weil die BMW-Bikes seit 1967 direkt um die Ecke, nämlich in Spandau produziert werden. Der Tagesspiegel berichtete.

Das Modell im Bild, die K100 wurde von 1983-89 im Werk Spandau gebaut. Die Koffer würde ich einfach wegschmeißen, oder vielleicht besser für ein paar Tankfüllungen an 80er-Retro-Nerds vertickern. Der Motorblock ist definitiv ein Abschied von der romantischen Nacktheit des Kraftspenders, aber trotzdem funktional in die Statik des Ganzen integriert und eigentlich das Originellste an der Maschine. Denn der kantige Gesamteindruck scheint der Legende Suzuki Katana von 1981 entlehnt, entworfen übrigens vom deutschen Team Target-Design.

Sonntag, 4. September 2011

offene Tür

offene Tür © Harri Brill 2011
Sonnenalle. Seltsamer Name für eine Straße. Wie aus einem Kinderbuch. Der gleichnamige Film interessiert mich übrigens nicht. Ganz im Gegensatz zu der genialen Schöpfung auf den Fotos. Gefunden in der Sonnenalle. Habe bisher noch keine bessere Lösung zum Offenhalten einer Haustür gesehen und ausprobiert. Es geht um den Winkel aus Aluminium. Der Stummel von rot lackiertem Metall ist wahrscheinlich nur der Rest eines untauglichen Vorgängers. Der Winkel lässt sich spielend leicht mit dem Fuß um 90° zum Halten oder Lösen der Haustür drehen. Man erkennt das Prinzip sofort und braucht zur Benutzung nicht mal die Hände frei zu haben.

Donnerstag, 1. September 2011

Goldflügel



Honda CB450 © Harri Brill 2011

Einst war ich stolzer Besitzer einer solchen Honda, allerdings im Maßstab 1:16, zusammengebastelt aus einem Bausatz der Firma Airfix. Diese Bausätze waren damals ziemlich populär, und immer wenn einer von uns Jungs Geburtstag hatte, landete mindestens ein Jagdflugzeug auf dem Gabentisch, im Pappkarton die Plastikteile an kleinen Ästen aus Plastik wie die Beeren einer Traube zum Pflücken aufgereiht.

Später besaß ich eine fahrtüchtige CB200 im Maßstab 1:1. Da glänzten die Flügel des Markenzeichens nur noch silbern. Sie war kein so wegweisendes Produkt wie die CB450. Und leider auch nicht ganz so schnell.

Sonntag, 21. August 2011

Puma in der Kabine


Shirt © Harri Brill 2011

Ich bin ganz froh, dass die Liga wieder zum alten Muster zurückkehrt: Die Boulevard-Bayern mit großer Klappe vorne, und abgerechnet wird ansonsten zum Schluss.
Apropos Muster: Dortmund wird demnächst von Puma ausgestattet. Kappa als Flickensponsor war schon nicht der Weisheit letzter Schluss. Neben dem immer zu flatschigen Logo sind die Deko-Elemente auf den Trikots zum Wegsehen. Puma habe ich noch nie gemocht. Kann ich nicht begründen, war immer irgendwie zweite Wahl.
In Sachen Schlichtheit ist für mich in dieser Saison Hannovers Heimoutfit von Jako ganz vorne: Trikot rot (nennt man das Burgund?), Hose schwarz, Stutzen weiß. Keine Ornamente. Für diese Schlichtheit sollen auch die Fans gestimmt haben, habe ich auf irgendeiner 96er-Seite gelesen.

Donnerstag, 11. August 2011

Kummerkasten


mein Ex-Briefkasten © Harri Brill 2011

Schön die Rechnung noch rechtzeitig getippt, und ab damit zum Briefkasten mit Nachtleerung in hundert Metern Entfernung. Am nächsten Tag müsste die Sendung innerhalb Berlins ankommen. Habe hier schon von meinem Briefkasten geschwärmt.
Aber Pustekuchen.
Kann nicht mehr als einen Monat her sein, dass die Nachtleerung gestrichen wurde. Nächster Kasten mit Nachtleerung Karl-Marx-Straße xy. Bis ich da bin, habe ich den Brief schon selbst geliefert.
Vielleicht ist ja der Hardware-Briefverkehr wirklich ein wenig anachronistisch. Mir jedoch stinkt diese Einsparung.

Mieten und Hüttenkäse gehören zu den vielfältigen Angelegenheiten, die den friedlich protestierenden Isralis zur Zeit stinken. Lesenswerter Artikel.

Nachtrag am 29.08.11:
So radikal wie befürchtet ist der Kahlschlag bei den Briefkästen mit Nachtleerung doch nicht. Devise: Erst surfen, dann meckern.
Im Internet findet man hier auf der Seite der Deutschen Post die Briefkästen der Umgebung mit Zeitangaben der Leerungen. Auf diesem Weg entdeckte ich einen Kasten, der noch näher liegt als der alte und sonntags um 21:30 geleert wird.

Sonntag, 7. August 2011

Fasten und Speisen



Kurz vor neun in der Abenddämmerung nochmal raus zum türkischen Bäcker, Fladenbrot kaufen. Selten war der Laden um die Uhrzeit so voll. Die freundliche Verkäuferin mit den handgezeichneten Augenbrauen erklärt: "Wir haben Ramadan."

Für manche kommt das Essen mit Stäbchen dem Fasten ziemlich nahe. Ein chinesischer Hersteller von Bambus-Stäbchen liefert eine Bedienungsanleitung auf der Rückseite der Verpackung.

Sonntag, 31. Juli 2011

Wecken

Weckglas © Harri Brill 2011

Johann Carl Weck ist schuld daran, dass Einmachen oder Einkochen seit 1907 auch im Duden als Einwecken erwähnt wird.
Seit meiner Kindheit schmecken mir Aprikosen und Mirabellen in konserviertem Zustand besser als frisch. Das liegt sicher an der frühkindlichen Tendenz zu Süßem statt zu Saurem, denn die Früchte schwammen in dickflüssigem Zuckerwasser.
Seit ungefähr einer halben Stunde, also im gehobenen Erwachsenenalter, verstehe ich, wie Einwecken überhaupt funktioniert, und dass der spezielle Verschluss mit dem Gummi und den Spangen dabei als Ventil für den Dampf dient. Mit dem Dampf entweicht die Luft aus dem erhitzten Glas, und durch den so entstehenden Unterdruck wird der Deckel auf dem Glas praktisch festgesaugt.

Hier mehr zum Einkochen.

Hier mehr zu Braunschweig als Hochburg der Konservenindustrie.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Einsatz am Filter

Filtereinsatz © Harri Brill 2011

Schöner Einsatz der Designer und Kundenbetreuer: Welche Größe von Filtertüten passen für diese Kaffeemaschine?
Ohne große Hoffnung auf weiterführende Information einfach mal ein Auge auf den Filtereinsatz geworfen - und siehe da!

Montag, 18. Juli 2011

Tacker


zwei Tacker © Harri Brill 2011

Tackern kommt mir immer ein wenig wie Schummeln vor. Vorne hui, hinten pfui. Wird gerne versteckt, diese Verbindung von zwei Werkstoffen. Im Gegensatz zu manchen Schrauben, Nähten oder Nieten. Einzig bei Clogs sind die Klammern sichtbar.

Manchmal hilft aber eben nur Tackern. Dann kann es sogar Spaß machen. Kommt auch auf das Werkzeug an. Der obere der beiden abgebildeten funktioniert mechanisch, der untere elektrisch, ein Novus J-155 A. Bei den rund 50 Metern Stoff an Holz, die mir bevorstanden, favorisierte ich anfangs den Strom-Tacker. Der wiegt allerdings 1800 Gramm.

Der mechanische bringt nur 500 Gramm auf die Waage. Da er für den dünnen Stoff kräftig genug war, legte ich den elektrischen nach wenigen Versuchen beiseite.

Den Novus kann man immerhin, nach einigem Experimentieren und Ignorieren der miserablen Bedienungsanleitung, auf das Einschlagen von Nägeln statt Klammern umrüsten, was sich für einen anderen Arbeitsschritt als hilfeich erwies.
 
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