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Dienstag, 29. März 2016

Schiefe Kegel / London 1996/3


schiefer Kegel mit Zylindern © Harri Brill 2016
schiefer Kegel vor Ketchup © Harri Brill 1996

„Sind die Zigaretten in der dunkelblauen Verpackung stärker, oder die in der hellblauen?“, frage ich den netten Verkäufer im Späti. Er studiert draufhin die Nikotinwerte auf den Päckchen.
„Hier steht 1,0. Und hier steht 0,8.“, antwortet er.
„Also sind die ersten stärker. Danke.“, sage ich.
„Wieso, die Acht ist doch eine höhere Zahl als die Eins?“

Vielleicht ist die Wiedergabe dieses Gesprächs mit mathematischem Inhalt nicht ganz fair. Aber ich frage mich gerade beim Anblick eines alten Dias aus London, ob der geometrische Körper „Schiefer Kegel“ in freier Wildbahn überhaupt noch wahrgenommen wird, geschweige denn, jemanden vom Hocker reißt.
Ingenieure anscheinend schon. Das Foto mit den Betonteilen für die Kanalisation machte ich letztens am Landwehrkanal, Baerwaldsraße Ecke Carl-Herz-Ufer.

Die englische Küche wird in ihrer Vielfalt häufig unterschätzt, das sagte ich bereits. Nicht nur in kulinarischer Hinsicht, sondern auch in geometrischer, wie ich in einem Cafe im damals nicht sehr glamourösen Süden Londons entdeckte. Die Menage von Saucen und Gewürzen mit der schiefkegeligen Plastikflasche für den Essig stand vor zwanzig Jahren auf dem Tisch eines stinknormalen Cafes in Elephant&Castle. Ich glaube nicht, dass in meinem Burger Rinderwahn war, aber ein bisschen Bammel hatte ich damals auch. Schönen Gruß!

Montag, 8. April 2013

Peter Behrens

Straßenschild © Harri Brill 2013

Am 14. April vor 145 Jahren wurde Peter Behrens geboren. Immer wieder erstaunlich, wie wenig bekannt er selbst in Designerkreisen ist. Walter Gropius, Mies van der Rohe und Le Corbusier verdienten sich einst ihre Sporen im Architekturbüro des "Vorreiters", wie er im Text unter dem Straßenschild in Hennigsdorf genannt wird. Geht mal näher ran!

Samstag, 18. Juni 2011

Ansichtssache/Buckminster Fuller

Renault Mégane © Harri Brill 2011
Plauderte letztens mit der sehr geschätzten Künstlerin N.H. über die Unansehnlichkeit neuerer Automobile. Auch dieser Renault Mégane bekam sein Fett weg. Finde allerdings die Kante hinten und die ganze Rückansicht doch gar nicht so übel. Der Rest scheint mir dagegen nicht so recht dazu zu passen. Wird nach vorne hin etwas bieder, rundlich und undefiniert. Nach längerem Betrachten dieses Bildes stellte ich mir das Heck einfach mal als Front vor. Gar nicht so abwegig, oder? Buckminster Fullers Dymaxion Car von 1933 kam mir in den Sinn, mit seiner Tropfenform - dickes Ende vorne. Fuller war ein absoluter Freak (meine ich als Kompliment), was Visionen betrifft. Geht auf den Link, und Ihr bekommt eine Ahnung davon. Empfehlung an N.H.: Die Dymaxion-Weltkarte. Empfehlung an alle: Das Buch Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde von 1969. Aus heutiger Sicht etwas verschroben, aber mutig und im Grunde nach wie vor aktuell, was er über unseren Umgang mit dem Heimatplaneten schreibt.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Tee im Tetraeder

Teebeutel©Harri Brill 2010
Zuckertüte©Harri Brill 2010
Damals, Klassenreise nach London. Zum ersten Mal in England und das erste Frühstück im Hostel. Kaffee oder Tee? Zwei Stahlkannen stehen auf dem Tisch. Ach, ich probiere mal den berüchtigten englischen Tee. Ich gieße ein. Falsche Kanne erwischt? Schwarzes Öl kommt raus. Riecht aber nach Tee. Ich lüfte den Deckel der Kanne. Das untere Drittel ist mit schnurlosen, kissenförmigen Teebeuteln bedeckt. Die Beutel waren mit Sicherheit von der Firma PG, also die in England allgegenwärtigen PG-Tips. Noch 1996 hatten die Beutel die Form eines Kissens, das kann ich bezeugen. Vor ein paar Wochen habe ich beim freundlichen Asia-Lebensmittel-Laden in der Sanderstraße zufällig eine Box mit PG-Tips gesehen und aus Rührung gekauft. Die Beutel haben eine neue Form: Tetraeder (sprich: Tetra-Eder). Eine faszinierende Form, wie ich finde. Nicht zuletzt seit dem Studium, beim Unterricht in Designgeometrie. Für an platonischen Körpern interessierte Leser hier ein Link. An der Zuckertüte (unteres Bild) kann man die simple Herstellung einer Tetraeder-Verpackung gut erkennen: Ein Schlauch, der an einer Seite bei o° abgeklemmt wird, und an der anderen bei 90°, falls Ihr versteht. Vom Tetraeder stammt übrigens der Name Tetrapak. Ich habe letztens frech behauptet, das Tetraeder ließe sich besonders gut stapeln, was allerdings designgeometrisch ein peinlicher Ausrutscher war. Wiki sagt dazu: "Obwohl das Tetraeder nicht Stein einer Parkettierung des Raumes ist, tritt es ... im kubischen Kristallsystem auf." Genau. Ich glaube, es gibt sogar einen andauernden mathematischen Wettbewerb darüber, wieviele Tetraeder man in ein bestimmtes kubisches Volumen packen kann. Warum die PG Tips jetzt tetraederförmig sind? PG sagt: "Der Pyramiden(naja)-Teebeutel gibt dem Tee 50% mehr Raum, sein Aroma zu entfalten als ein flacher (kissenförmiger) Teebeutel". Das kann man nachvollziehen. Eine Pyramide ist anders, aber PG hat sich den Namen Pyramiden-Teebeutel für Tetraeder-Teebeutel schützen lassen. Der Teebeutel auf dem Bild oben links ist ein sogenannter Doppelkammerbeutel. Deutlich mehr Bedarf an Beutelpaper als das Tetraeder. Das hat übrigens in diesem Fall sogar mehr Gramm Tee inside.

Samstag, 29. August 2009

alles oder nichts


Schöne Armbanduhr, sage ich. Schwarzes Armband, rundes Stahlgehäuse, schlicht, übersichtlich, nicht gerade klein. Frage noch: Und diese Skala ganz außen?
Antwort: Keine Ahnung, glaube, das ist nur Design.

Freitag, 8. Mai 2009

Jugendstil, eine Brücke

Leuchte © Foto: unbekannt
Gegenstände aus der Zeit des Jugendstils können mich bis heute nicht besonders begeistern. Aber während des Studiums habe ich diese Epoche als Wegbereiter des modernen Designs schätzen gelernt.
Einen neuen Stellenwert bei der Herstellung von Produkten erlangte das Design im Zuge der industriellen Revolution, weil die meisten Gebrauchsgegenstände nun seriell hergestellt werden konnten und mussten. Durch die industriell bedingte Verlagerung des Lebens in die Städte stieg der Bedarf an Behausungen und Massenartikeln wie Möbeln für die wachsende Stadtbevölkerung. Die veränderten Lebensbedingungen einer Vielzahl von Menschen und die modernen Herstellungstechniken erforderten einen neuen Gestaltungskodex. Die gefeierte Modernität brauchte eine angemessene Form. Im Jugendstil blieben zwar aus heutiger Sicht sehr erzählerische und bildhafte Formen erhalten, diese wurden aber Teil der Funktion. Der stilisierte Frauenkörper zum Beispiel wurde zum Lampenfuß selbst, statt als Extrateil addiert zu werden (Design: Peter Behrens). Mit seiner eigenen Interpretation natürlicher Elemente wie Lebewesen und Pflanzen brachte der Jugendstil eine neuartige Formensprache auf, die kein einfacher Abklatsch historischer Vorbilder war. Damit ebnete er den Weg für die folgende völlige Abstraktion von überlieferten Formen, wie sie das Bauhaus anstrebte.

Montag, 13. April 2009

Klebroller 2

Kleberoller - Blechteil © Harri Brill 2009
So wie ich Design verstehe, gehören Produktion, Konstruktion, Handhabung, Verkauf und Anmutung eines Produktes untrennbar zu den maßgeblichen Kriterien im Prozess des Entwerfens. Design ist nicht das Schneidern von Verkleidung für Funktionen.
Deshalb ist der Kleberoller so interessant für mich, denn seine Gestaltung liegt an der Grenze dessen, was gemeinhin als Design bezeichnet wird. Keine Verhübschungstricks oder optisches Tuning verschleiern hier, worum es geht. Er ist radikal für seine Funktion gestaltet. Nichts ist verhüllt, weil es in diesem Fall auch nicht wichtig ist. Das einzige Zugeständnis an menschliche Annehmlichkeiten findet sich in der Formgebung des Griffs.
Das Herz der Konstruktion ist das Blechteil, an dem alle anderen Teile befestigt sind. Die Lager für das Klebeband und dessen Abwicklung sind einseitig an das abgekantete Blech geschraubt. Auf augenschmeichelnde Symmetrie kann beim Kleberoller verzichtet werden. Übrigens ist die einseitige Aufhängung ein Anordnungsprinzip, das bei Motorrädern und Fahrrädern als besonders originell und technisch anspruchsvoll gilt.

Dienstag, 7. April 2009

Kleberoller

Kleberoller © Harri Brill 2009
Ob Kleberoller der korrekte Name für diesen Gegenstand ist, muss ich noch herausfinden. Nach einiger Übung weiß man seinen praktischen Wert zu schätzen. Vorsicht vor der Zackenklinge, die eigentlich nur den Klebebandstreifen von der Rolle trennen soll.
 
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