Freitag, 11. Juni 2010

die Pille



In einem schönen WM-Spezial-Sonntagsteil des Tagesspiegels vom 9. Mai wurden alle bisherigen WM-Bälle zelebriert, außerdem gibt es dort ein langes Interview mit Sepp Maier.

Zu dem Ball im Bild: "Design made by... Germany" soll vermutlich den Eindruck erwecken, der Ball sei in Deutschland hergestellt worden. Das Design mit den Fünfeck- und Sechseckflicken ist seit 1970 geläufig, aber nicht mehr bei den aktuellen Bällen.

So Leute, gleich geht's los. Viel Spaß!

Dienstag, 8. Juni 2010

Traumwagen


Als Kind war ich nur ein einziges Mal bewusst neidisch auf Kinder, die in anderen Gegenden Deutschlands aufwuchsen. Im Fichtelgebirge kamen mir damals faszinierende Fahrzeuge einer fremden Kategorie unter die Augen. Ein paar rohe Bretter zusammengezimmert, hinten zwei Räder, vorne zwei weitere an einem beweglichen Querbrett zum Lenken, und fertig war so eine Art Schlitten für den Sommer. In Berlin gab es einfach nicht die Pisten dafür - relativ gute und unbefahrene Wege mit einem anständigen Gefälle.

Ein Kettcar war damals mein Traum. Das verlor aber wegen schmaler Familienkasse und aufgrund seines Status' als kurzlebiger Luxus das Rennen gegen ein Kinder-Fahrrad aus zweiter Hand. Es blieb also bei ein paar zahmen Kettcar-Runden im Verkehrskindergarten am Wassertorplatz.
Als Mahnmal für meinen unerfüllten Wunsch parkt heute diese coole Pickup-Variante ziemlich genau vor dem Kreuzberger Haus, in dem meine Mutter aufgewachsen ist.

Samstag, 5. Juni 2010

die Kühlung


Am Tisch Köln, Bayern (nicht näher bestimmt), Düsseldorf, Berlin. Die bayrische Fraktion äußert wohlwollende Verwunderung, dass man sich überregional auch über nichtbayrische Biersorten unterhält. Es folgt ein spekulativer Ausflug ins Ober- und Untergärige von meiner Seite.
Für eine gute Grundlage gibt's hier Information:
Untergärige Biere sind: Pils, Export, Bockbier, Märzen, Lager, Zwickel, Zoigl
Obergärige Biere sind: Kölsch, Alt, Weißbier, Gose, Dampfbier, Berliner Weiße, Ale.
Die Essenz: Oben und Unten sind da, wo jeweils die Hefe schwimmt.

Freitag, 4. Juni 2010

das Fieber

Deutschland gegen Bosnien-Herzegowina. Die erste Halbzeit. Bosnien ist gefährlich. Das war klar. Die Hälfte aller WM-Teilnehmer würde ihnen unterliegen.
Die Deutschen? Eine improvisierte Truppe. Wäre schön, wenn sie möglichst lange im Turnier blieben. Ich mache mir Sorgen. Neuer im Tor. Ein Kind mit unkoordinierten Bewegungegen, aber immerhin tauglich als überdeutliches Zeichen für Modernität. Bei den Feldspielern: Fehlpässe und schlechte Abstimmung. Sie kassieren ein Tor.

Dann kommt die zweite Halbzeit, und damit endlich die erste Mannschaft. Cacau, Müller, Marin. Keiner hat mehr Sorgen um den Ball, die Erfindung des Steilpasses wird wiederbelebt, und Klassensprecher Lahm macht mit dem einzig göttlichen Schuss den Ausgleich. Arne Friedrich lässt in der ihm fremden Hälfte des Spielfeldes mit einem Trick einen Gegner aussteigen! Arne Friedrich! Geht irgendwie unter, aber ich habe es genau gesehen.
Nach dem zwanzigsten Lattentreffer erscheint Schweinsteiger aus dem schlammigen Graben des defensiven Mittelfelds, um einen Elfmeter zu schießen, den Fummel-Marin rausgeholt hatte. Und haut ihn ein.
Keine Ahnung, wie sich die jugendliche Mannschaft gegen abgehangene Italiener oder Knochensplitter-Gauchos schlagen wird. Ansonsten bin ich erstmal beruhigt.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Ihr-wisst-schon-was III


Hiermit endet vorerst die Berichterstattung von diesem Fleck in der Lenaustraße. Nicht, dass Anwohner oder Gäste des Cafés sich noch observiert vorkommen. Das Telefon hat sozusagen den Synchron-Köhler gemacht.

Sonntag, 30. Mai 2010

Piazza N. Lenau II



Alles neu macht der Mai. Auf dem oberen Bild sieht man einige Veränderungen, die in den letzten neun Wochen rund um das Telefon aus diesem Post vorgenommen wurden.
Viel Spaß beim Tatort. Frau Lürsen aus Bremen ist heute an der Reihe.

Dienstag, 25. Mai 2010

Familie Feuerstein



Da mein gutes altes Rowenta-Feuerzeug aus dem Rennen ist, hatte ich als Interimslösung dieses grüne Plastikding in Gebrauch.
Ich lege mein Feuerzeug eigentlich nie zu meinen Zigaretten auf den Tisch, wenn ich länger in Raucherkreisen verweile, obwohl ich das bei anderen Rauchern meistens ganz gemütlich finde. Mein Feuerzeug, so schön es auch sein mag, wandert nach dem Anzünden immer zurück in die Hosentasche. Das habe ich schon immer so gemacht.
Nette (Raucher sind oft nett) ältere Raucher dagegen platzieren ihr Feuerzeug auch gerne akkurat aber unprätentiös auf der Zigarettenschachtel.

Für das grüne Ronson habe ich mich fast ein wenig geschämt, obwohl das natürlich unnötig ist. Erstens interessiert ein Feuerzeug sowieso die wenigsten Menschen, und zweitens hat dieses eine vornehme Herkunft.
Sein Großvater ist auf den Bildern jeweils unten zu sehen. Ein Ronson aus den Fünfzigern. Funktioniert leider nicht mehr. Das Ventil, an dem das Gas entzündet wird und somit die Flamme entsteht, scheint defekt zu sein. Schade, denn die meisten anderen Feuerzeuge werden unbrauchbar, weil sie Gas verlieren. Oft ist das Einfüllventil undicht. Bei diesem nicht.
Das Gas wird bei dem alten Ronson da eingefüllt, wo diese düsenartige Form außen endet. Hat übrigens eine tolle Verschluss-Mechanik für den Gasventildeckel: einfach mit dem Finger leicht draufdrücken und ca. 90° drehen - ohne Werkzeug.
Die Firma Ronson ist wie gesagt auch Hersteller des grünen Modells. Hier wurde der betagte Vorgänger zitiert. Das hat mich amüsiert. Die Düse ist nur noch Deko, denn das Gas wird beim jungen Modell unten am Boden nachgefüllt.
Das schwindsüchtige Kunststoffgehäuse war dem Transport in der Hosentasche zusammen mit Schlüsseln nicht gewachsen. Gestern ist ein Teil des Gehäuses abgeplatzt. Jetzt benutze ich das Ding nur noch zum Anzünden der Flamme am Gasherd.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Waschküche und Nähkästchen


Nebelig, feuchtwarm, windstill. Draußen genau so warm wie drinnen.

Das beste Buch für drinnen und draußen, und sowieso eines der unentbehrlichen für die einsame Insel: "Geheime Tips von Donald Duck - Ein praktisches Handbuch für Jungen". Nicht zu verwechseln mit: "Dangerous Book For Boys" (ähnlicher Inhalt) oder "Sextips für Girls" (anderer Inhalt).

Im Entenhausener Standardwerk fehlt allerdings der Tipp, wie die Unterfadenspannung der Nähmaschine zu prüfen und zu regulieren ist. Die Erklärung im Ratgeber "So näht der Mann" ist zwar ausreichend, doch der beste Trick kommt aus der Praxis. Die preisgekrönte Herrenschneiderin, Modedesignerin und Zeichnerin U. hat ihn mir verraten. Man nimmt die Unterfadenspule aus der Maschine und hebt sie am Faden in die Höhe. Die Spannung sollte so stark sein, dass der Faden die Spule geradeso auf der Höhe hält und sich nicht abrollt. Bei einem kleinen Ruck sollte auch die Spule ein kleines Stück runterrutschen. Regulieren kann man diese Spannung an der kleinen Schraube, im Bild links oben an der Spule.

Sonntag, 16. Mai 2010

Tatort


Sonntags, leere Straßen, Uhrzeit zwischen 20:15 und 21:40. Eine anheimelnde Vorstellung, dass eine von Euch gerade nach der Chipstüte greift, und ein anderer auf dem Sofa liegend mit schweren Lidern gegen den Schlaf kämpft. Im Fernsehen läuft der Tatort.
Wo ich am nachmittag des 17.5.2008 war?
Mann, das ist morgen genau zwei Jahre her. Müsste ein Sonnabend gewesen sein. Sommerlich warmer Tag. Nicht so wie jetzt gerade. In der Winsstraße gab es ein Straßenfest, und hier, gleich um die Ecke, in der Immanuelkirchstraße, etwas unterhalb dieser Tiefgarage, kam mir Sophie Marceau in einem purpurnen Sommerkleid entgegen, wenn ich nicht irre. Friseurmeisterin Jedamski hatte einen Stand, an dem man sich unter den Augen der Festbesucher die Haare schneiden lassen konnte. Auf der Bühne vor dem Enten & Katzen spielten ein paar Bands. Das Scherengitter hier und die Tiefgarage dahinter waren noch im Bau, glaube ich. Wohnen da nicht zwei Moderator/innen von Radioeins, in dem Haus in der Immanuelkirch, oder daneben? Komisch, dass etwas Wehrhaftes wie das Gitter so weich und dekorativ aussehen kann, fällt mir noch ein.
Zurück zum Tatort?
Schwierig. Sehe nicht gerne Fälle mit: Kinderschändern, Menschenhandel und organisiertem Verbrechen, Entführungen und verkabelten Undercoverermittlern. Die Münchener finde ich oft albern, Prahl und Dings immer klamottig, Lena Odenthal steif und die Berliner Kommissare und Fälle indiskutabel. Bleibt nicht viel übrig. Die Kölner kann ich noch am ehesten ertragen, kommt auf die Story an, siehe oben.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Gesellenstücke


Der damals junge Glaser fährt heute vielleicht ab und zu mit seinen Enkelkindern hier vorbei und zeigt ihnen sein Gesellenstück. Ansonsten hat er Kreuzberg abgeschworen. Genießt seine Rente im Rudower Eigenheim, wie viele Handwerker mit Familie aus der Ecke zwischen Gneisenau- und westlicher Oranienstraße, die Ende der Siebziger genug für ein kleines Haus gespart hatten und hier weg wollten.
Wie der Vater der süßen C., Maurer, und der von Old A., Feuerwehrmann. Mehr als eine Handvoll meiner Freundinnen und Freunde waren zur Zeit der Abwanderung nach Rudow schon an Kreuzberger Oberschulen angemeldet (in Berlin ab 7. Klasse) und mussten also jeden Tag mit Bus und U-Bahn hin und zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob sie, bis zur Halskrause in der Pubertät, den kleinen Garten hinter dem Eigenheim und die winzigen Zimmer als angemssenen Gegenwert dafür betrachteten. Das werde ich A. demnächst fragen. Als Gast mit Übernachtungsmöglichkeit aber war es ganz schön dort, das Grillen, Federballspielen und im Partykeller heimlich mit Vater Maurers Whiskey zu feiern.
Oranienstraße 64 steht das Haus mit dem Werk aus schwarzem Glas.

Sonntag, 2. Mai 2010

"Was kostet die Welt?",



wird man sich vorsorglich als Gedankenspiel demnächst in der Buchhaltung des Ölkonzerns BP fragen. Der hat sich zur Zahlung der Schäden des aktuellen Öldesasters am Golf von Mexiko bereit erklärt.
Für Großtümmler und Pottwale kommt es ziemlich fett. Die ziehen am nun verölten Golf üblicherweise ihren Nachwuchs auf. Dass Fische, Krustentiere und Vögel in rauen Mengen krepieren, kennen wir ja schon von den vergangenen Ölkatastrophen.
Die großen Meeressäuger bekommen oft erhöhte Aufmerksamkeit, wie in dem schönen Graffiti auf den Fotos. Das Bild ist nicht gerade klein (ca. 150 cm hoch) und klebt einige Meter über dem Erdboden an der Brandmauer eines Wohnhauses in der Hobrechtstraße.
Es zeigt die Fiktion einer Dose mit Walfleisch als Delikatesse. Damit soll vermutlich gegen die häufige Umgehung des Wahlfangverbots unter fadenscheinigen Gründen und falschen Fangdeklarationen protestiert werden. Der Zwergwal, immerhin 8-10 m lang, wird auch Minkwal genannt.

Sonntag, 25. April 2010

fremde Federn


Seit ungefähr zehn Jahren nervt mich das schlechte Design der American Spirit-Packung. Ein schwarzer Indianer mit Friedenspfeife. Ich sage jetzt nicht „Native American“, oder irgendeinen anderen zur Stunde politisch korrekten Begriff für die Ureinwohner Amerikas. Hier haben wir definitiv einen Indianer vor uns. Schwarz ist er wahrscheinlich, weil er vor der untergehenden Sonne im Gegenlicht sitzt. Was ist aber mit seinem Brustkasten passiert? Zuerst dachte ich, er sitzt im Schneidersitz, und seine Brust ist eigentlich sein Oberschenkel. Wäre auch nicht besser als diese Karikatur eines Bodybuilders.
Ich weiß nicht, ob sich in Amerika jemand beleidigt fühlt - ich mich auf jeden Fall. Auf die ganz plumpe Art, und grafisch schlecht gemacht, möchte jemand seinen naturbelassenen Tabak mit Hilfe von erdverbundener Indianerromantik verkaufen.
Gibt es hier Parallelen? Der Sarotti-Mohr. Die Chiquita. Dann Club Mate; hat den Indio, ist aber besser gemacht, finde ich.
Europäisches Personal: Rotbäckchen wirbt mit einem Kindergesicht, Tannenzäpfle-Bier mit einem Schwarzwaldmädchen, Schultheiss-Bier mit einem Schultheiß.
Und was Häuptling Carborundum vom Stamme der Abrasives im Pfeilhagel auf der Rückseite von Schleifpaper aus Germany verloren hat, weiß nur Manitou.
 
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